G/GESCHICHTE 08/2013

Victorias Empire – Englands glorreiches Jahrhundert

Haupt-Themen dieser Ausgabe:

Jubeljahr 1897 - Ein Imperium feiert seine Königin
Die Hannoveraner
- Chaos-Dynastie auf dem englischen Thron
Victoria & Albert
- Das königliche Dreamteam
Im Glashaus
- Die erste Weltausstellung im Kristallpalast
Isambard Kingdom Brunel
- Ingenieur mit Visionen
Hunger
- Irland gleitet in die Katastrophe
Gladstone und Disraeli
- Dandy vs. Puritaner
Indien
- Juwel der Krone
London
- Moloch an der Themse
Jack the Ripper
- Serienmord im East End
Große Erwartung
- Der viktorianische Roman
Charles Darwin
- Der fromme Ketzer
Nichts als Ärger mit Bertie
- Skandale rund um das Königshaus
Abgesang
- Das Empire in der Krise



Victorias Empire – Englands glorreiches Jahrhundert

Zu den ewigen Streitpunkten der Geschichtswissenschaft gehört die Frage, wem der Beiname “der” oder “die Große” zuzugestehen sei. Kaum Kontroversen gibt es dagegen bei jenen wenigen Persönlichkeiten, nach denen ganze Epochen benannt wurden. Hier ist bereits die Namensverleihung Ausdruck eines weit gespannten Konsenses. Was muss nun aber beispielsweise ein gekröntes Haupt leisten, damit es zum Namenspatronen seiner Zeit wird? Die Länge der Regierungszeit allein ist es nicht; viel wichtiger ist, dass der- oder diejenige nicht nur das öffentliche Schaubild einer Zeit bleibt, sondern sie tatsächlich verkörpert. Dass der kleingewachsenen Victoria dies so perfekt gelang, als das britische Empire seine größte Ausdehnung erreichte, mag als feine Ironie der Geschichte erscheinen.

Aber das “Understatement” gehörte schon immer zum britischen Wesen; viel entscheidender war, dass Victoria in Vielem so dachte und fühlte wie ihre Untertanen – sei es als Ehefrau oder Mutter, sei es in sozialen Fragen, sei es in der selbstbewussten bis rücksichtslosen Außenpolitik. In allen diesen Fragen stellte sich Victoria auf die Seite der bürgerlichen Mittelschicht und scheute auch nicht vor Konflikten mit den alten Eliten zurück. Die Königin vertrat die Ansichten der Mehrheit ihrer Nation. Und sie tat es aus echter Überzeugung, nicht aus politischem Kalkül, wie es ihre große und ebenfalls Epoche machende Vorgängerin Elisabeth getan hatte.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Großbritannien und seine Königin zusehends zur Einheit. Sie blühten zusammen auf, trauerten zusammen, triumphierten zusammen. Sie wurden freilich auch zusammen alt. Als Victoria nach 60 Jahren Herrschaft dem Alter und den Krankheiten Tribut zollen musste, war auch Englands politische Kraft angeschlagen, und so hofften mehr und mehr Untertanen der ‘”diamantenen Königin” auf neue Kraft durch einen Neubeginn.
Ohne diese 63 gemeinsamen Jahre wären Britannien und sein Empire nicht das geworden, was sie am Anfang des 20. Jahrhunderts waren. Wieweit die folgenden Geschichte vom langen Schatten der kleinen, großen Königin geprägt wurde, das ist wiederum Vorlage für eine andere Diskussion, zu der unser Epochenbild ebenfalls seinen Beitrag liefern mag.


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