G/GESCHICHTE 07/2012

Geheimnisvolles Ägypten – Leben und Sterben im Reich der Pharaonen

Haupt-Themen dieser Ausgabe:

Liebe, Tod und Auferstehung - Die Mysterien der Isis
Morgenröte am Nil
- Kulturen vor den Pyramiden
Das große Haus
- Der Pharao
Ausstellungsreport
- Das ägyptische Museum Turin zu Gast in Speyer
Mitten im Leben
- Alltag am Nil
Schreiber und Räuber
- Karrieristen und Kriminelle
Frauenpower
- Die Gleichheit der Geschlechter
Sport und Spiel
- Von Ringern, Fechtern und Zockern
Heimliche Herrscher
- Wie die Priester nach der Macht griffen
Who’s Who
- Das überfüllte Pantheon der ägyptischen Götter
Es kann nur einen geben
- Echnaton und das Experiment des Monotheismus
In den unteren Welten
- Das Land der Toten
Ewig und faszinierend
- Ägyptische Träume von Napoleon bis Verdi


Geheimnisvolles Ägypten – Leben und Sterben im Reich der Pharaonen

“Erste Nacht auf dem Nil. Bin in einem Zustand von Erfüllung und lyrischer Begeisterung.” Es war eine ferne, exotische Welt, die der Dichter Gustave Flaubert in Ägypten suchte, als er 1849 das Land bereiste – damals noch ein echtes Abenteuer.
Was Flaubert und fast alle Menschen, die seinen Spuren folgten, neben der grandiosen Architektur am meisten faszinierte, war die tiefe Mystik der altägyptischen Kultur: Rätselhafte Götter mit Tierköpfen wie Horus oder Anubis, die Legenden von Isis und Osiris, Mumien im ewigen Schlaf der Jahrtausende und die magischen Ratschläge des Totenbuchs.

Doch so sehr Totenkult und tiefe Spiritualität die Kultur der Ägypter prägten, so sehr lebten die Menschen am Nil im Diesseits. Mochte das Tagewerk der Bauern auch noch so hart sein und die Abgaben für den Pharao noch so schwer – das alles war eben Maat,die göttliche Ordnung der Dinge. “Der Name eines Armen”, so ein Sprichwort, “wird nur wegen seines Herren genannt.”

Gute Zeiten für Bauern und Handwerker waren private und religiöse Festtage. Zeiten, in denen es Bier und Brot im Überfluss gab und man sich bei Tanz, Spiel und Sport vergnügte. Dann dankte man den Göttern für das Geschenk des Lebens: “Wein, Weib und Essen erfreuen das Herz. Wer eines von ihnen entbehrt, ist ein Feind seines Körpers.” Kein Wunder also, dass es neben den Totenbüchern und Zaubersprüchen auch viele Liebesgedichte aus den Tagen der Pharaonen gibt. Um die Gunst der Frauen musste der Mann werben, denn im Gegensatz zu ihren Schwestern an Euphrat oder Indus genossen die Töchter des Nils große Freiheiten – auch im Bereich der Erotik. Jungfräulichkeit war kein Kriterium bei der Partnerwahl, Schönheit, Esprit und Eleganz um so mehr. Vielleicht ist gerade in der Freude der Ägypter am Diesseits der Grund zu suchen, dass sie keines Paradieses im Jenseits bedurften. Duat, das Totenreich, ist nur ein helleres Spiegelbild der oberirdischen Welt. Die aufwändigen Gräber, die Kunst der Mumifizierung und die reichen Grabbeigaben sollten ein angenehmes Leben im Duat garantieren.
Leben und Tod, das können wir von den Ägyptern lernen, gehören untrennbar zusammen: “Wer glücklich ist in seinen Lebenstagen, denkt in dieser Zeit an den Tod.”

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