G/GESCHICHTE 06/2012

Gold, Blut und Konquistadoren – Spaniens Weltreich unter Karl V. und Philipp II.

Haupt-Themen dieser Ausgabe:

Anspruch auf Weltmacht - Triumph bei Lepanto
Schicksalsjahr 1492 - Von Granada bis San Salvador
Eine Welt ist nicht genug - Die Eroberung von Mexiko
Conquistadores - Männer fürs Grobe
Blutiges Silber - Minen und Menschen
Kaiser Karl IV. - Imperiale Träume
Philipp II. - Der düstere König
Don Carlos - Der Infant
Achtzig Jahre Krieg - Die Niederlande im Freiheitskampf
Sevilla - Die reiche Schöne
Diego Velázquez - Maler aller Maler
“Das Weltbuch” - Cervantes und Don Quijote



Gold, Blut und Konquistadoren – Spaniens Weltreich unter Karl V. und Philipp II.

Das bezauberndste Gebäude Spaniens ist zweifelsohne die Alhambra, doch wer das Land verstehen will, muss San Lorenzo de El Escorial besuchen. Der Klosterpalast König Philipps II. schüchtert ein – grau, ernst und fast unnahbar.
Hinter seinen abweisenden Mauern eine prächtige Bibliothek, eine mächtige Basilika und würdevolle Repräsentationsräume. Verblüffend bescheiden hingegen geben sich die Privatgemächer ihrer Allerkatholischsten Majestät.
Der Herrscher über Spanien, Sizilien, Mailand und die “Neue Welt” lebte in einer besseren Klosterzelle und vom Schlafzimmer konnte er die Heilige Messe verfolgen. Fromme Fürsten gab es damals viele, doch Philipp II. verstand sich als Schwert Gottes gegen die Feinde des katholischen Glaubens: Osmanen, Engländer und Niederländer.

Glaubenskampf war Tradition, und Spaniens Aufstieg zur Weltmacht begann mit dem verbissenen Ringen mit den Mauren. 1492 fiel mit Granada das letzte islamische Königreich auf der iberischen Halbinsel. Die Reconquista war zu Ende, das blutige Kapitel der Conquista wurde aufgeschlagen, da im selben Jahr Kolumbus die Tore zur “Neuen Welt” aufgestoßen hatte.

Tollkühn wie unbarmherzig unterwarfen die Konquistadoren – selbstständige Unternehmer in Rüstung – die gerade aufgeblühten Reiche der Azteken und Inka. Indios schufteten sich zu Tode, Flotten dickbäuchiger Karavellen brachten das Gold und Silber nach Sevilla. In der Tat ein “goldenes Zeitalter”, aber an den Münzen und Barren klebte unsagbar viel Blut. Das wahre und reine Gold jener Tage kam nicht aus den Minenhöllen Amerikas. In der spanischen Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts offenbart sich eine Menschlichkeit, die berührt. Dienstbeflissen porträtierte Diego Velázquez die Mitglieder der Königsfamilie, doch er verlieh auch den Hofzwergen eine tiefe Würde. In den Gedichten des geistreichen Spötters Francisco de Quevedo findet sich zeitlose Weisheit und in seinen Volksdramen erhob Lope de Vega die Stimme gegen die arrogante Selbstherrlichkeit des Adels.
Der größte Konquistador Spaniens aber bleibt Miguel de Cervantes, mit der Macht der Feder erreichte er mehr, als Cortés, Pizarro und die anderen Männer des
Schwerts. Sein “Don Quijote” eroberte die Herzen der Menschen in der ganzen Welt.

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