G/GESCHICHTE 04/2015

Mysterien des Mittelalters – Reliquien und Pilgern

Haupt-Themen dieser Ausgabe:
 
Die Heilige Lanze - Wie eine Wunderwaffe den Kreuzzug rettete
Das Wahre Kreuz - Die Mutter Konstantins des Großen findet die wichtigste Reliquie der Christenheit
Heilige Schmuggelware - Wie der Evangelist Markus nach Venedig kam
Die Heiligen Drei Könige - Mit Barbarossa von Mailand nach Köln
11 000 Jungfrauen - Die Heilige Ursula von Köln und ihre Gefährtinnen
Compostela und Jerusalem - Pilgern im Mittelalter
Felix Fabri - Pilgerbericht aus dem Mittelalter
Thomas von Canterbury - Pilgern zum Mordschauplatz
Altötting - Zu Besuch bei der Jungfrau Maria
Das Turiner Grabtuch - Gottesbeweis oder geniale Fälschung?
Interview mit Manfred Schedlowski - Wie Reliquien heilen können
Der Abgott von Halle - Albrecht von Brandenburg gegen Luther
Pilgerziele der Weltreligionen - Zwischen Mekka und Benares
 
 
Mysterien des Mittelalters – Reliquien und Pilgern
 
Luther bezeichnete die Reliquien als “Tote Dinge” und Wallfahrten nannte er “Jahrmärkte des Teufels”. Trotz aller berechtigter Kritik an zahlreichen Auswüchsen seiner Epoche, übersah Luther als Mann der Schrift, wie sehr die Verehrung von Reliquien den Menschen geholfen hat, abstrakte Glaubensvorstellungen im wahrsten Sinne des Wort erfassen zu können. Doch in der Spätantike und im Mittelalter waren Reliquien viel mehr als nur Gegenstände der religiösen Verehrung: Sie galten als Symbole der Macht, sollten Wohlstand garantieren oder den Sieg in der Schlacht bringen.
Dieser Glaube hatte sehr konkrete Auswirkungen. Der Fund des Wahren Kreuzes durch die Mutter Konstantins des Großen legitimierte auch dessen Religionspolitik, die das Christentum als neuen Staatskult etablieren sollte. Und als Barbarossa nach der Plünderung Mailands seinem Kanzler Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige anvertraute, unterstrich er damit zugleich einen kaiserlichen Herrschaftsanspruch gegenüber dem Papst und den aufmüpfigen Städten Italiens. Angenehmer – und lukrativer – Nebeneffekt für seine Kölner Untertanen: Die Stadt wurde beliebtes Pilgerziel.
Die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela oder Jerusalem sind nicht nur ein Beleg für die unerwartete Mobilität der Menschen des Mittelalters und die Bereitschaft, für ihr Seelenheil das Leben zu riskieren. Sie waren auch Auslöser epochaler Veränderung: Das Bild vom heiligen Jakobus als Santiago Matamoros (Maurentöter) feuerte die Reconquista Spaniens an. 
Und als die türkischen Seldschuken 1070 Jerusalem eroberten und christlichen Pilgern aus Europa den Zugang zu den Heiligen Stätten erschwerten, formte sich die Kreuzzugsidee im Abendland. Das lateinische Wort für Kreuzzug lautete übrigens Peregrinatio – Pilgerfahrt.
 
 
 
 

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